Schweden - Norwegen 2014 mit Dodo und Claire

 

Tag 17 - 18.06.2014 - Jokkmokk - Gällivare - Kiruna

 

Noch ein Nachtrag zum Campingplatz am Ar... der Welt. Er nennt sich Kraja Camping Silver Lodge in Arjeplog. Kraja ist samisch und bedeutet so viel wie "der Ort wo Du bleiben möchtest". Wir wollten allerdings nicht hier bleiben.

 

Gestern Abend hatte ich hier auf dem Jokkmokk Camping Center noch Internet gekauft. 50 Kronen für 24 Stunden. Diesmal nicht offen, sondern mit Password für einen Rechner. Das Password habe ich zuerst benutzt, für das Roadbook natürlich und natürlich ging es dann nicht mehr für die beiden Smartphones. Inge sagte, das macht nichts, aber ihr trauriger Blick sagte mir, sie will es trotzdem. Eine Stunde habe ich herumgefummelt, das Netbook als Router umzufunktionieren. Es hatte dann geklappt. So hatten wir wieder Internet auf allen drei Geräten. Inge konnte wieder Mails schreiben und WhatsAppen und Facebooken mit den Sabines, Angelikas und Barbaras, den Barnabys und Bayanis dieser Welt und mit dem Familienchat. Was ist ein SmartPhone doch so schön. Es passt genau in die Hand.

 

Dodo und Claire fanden die Stuga auch ganz nett. Die Stuga hat leider nur zwei Einzelbetten, sodass Inge und ich in getrennten Zimmern schlafen mussten. Dodo und Claire durften in das Bett von Inge, ach was sie durften? Erst stieg Claire ganz zögerlich hinein, dann folgte Dodo und dann durften sie es. Unterwegs fragte mich Inge, warum sie denn nicht in mein Bett gekommen sind, die Tür stand ja offen. Dodo und Claire wissen halt was sie dürfen, bei Inge und was sie bei mir dürfen. Sie sind gut erzogen.

 

Gegen10 Uhr verließen wir dann das Jokkmokk Camping Center um Strecke zu machen. Ja Strecke. Die muss man hier machen, erstens gibt es unterwegs nicht viel zu sehen, zweitens sieht man rechts und links der Straße nur Wald und drittens liegen die Orte und damit die Campingplätze weiter auseinander. So macht man halt Strecke.

 

Ab und zu hält man mal um sich was anzusehen. Richtung Gällivare war ein Wasserkraftwerk am anderen. Alles Vattenfall. Eins war bemalt mit Rentieren und irgendwelchen Zeichen. Wenn die Schweden ein Wasserkraftwerk bauen, dann werden die Steine einfach am Rand aufgeschüttet damit sich dann das Wasser staut.  Der Damm, auch aus aufgeschütteten Steinen, wird an der engsten Stelle gemacht. So entstehen riesige Stauseen, wo vorher nur ein Fluss mit reißendem Wasser war. Das Porjus Kraftwerk kann man besichtigen. Porjus, kurz vor dem Kraftwerk von Süden aus gesehen,  ist eine kleine Stadt mit ca. 10 Häusern, die alle im selben Stil gebaut sind. Ich denke, die Stadt und die Häuser hat man hingestellt, um Arbeiter hierher zu locken.

 

Auch den typischen schwedischen LKW mit seinem Elch Raumschutz hatten wir am Porjus Stausee auf einem Parkplatz getroffen, so konnte ich sowas mal fotografieren. Andere LKW donnerten nur so an einem vorbei, sodass ein Foto unmöglich war.

 

Nach einigen Kilometern befand sich links von der E45 ein mit Holzgattern eingezäuntes, ca. 20 Fußballfelder großes Areal.. Hier werden die Rentierherden im Herbst zusammengetrieben, um sie ihren Besitzern wieder zuzuordnen und kranke Tiere auszusondern.

 

Kurz danach sahen wir am Horizont die ersten Berge mit Schneeresten. Wir waren kurz vor Gällivare. Der Dundret ist hier die höchste Erhebung mit gerade mal 821 m. Die Baumgrenze liegt hier bei rund 650 m Meereshöhe. Das einzige Interessante in Gällivare ist die Kirche. Doch konnten wir nicht hinein, hier fand gerade eine Trauerfeier statt.

 

Hinter Gällivare fuhren wir am wir den Lapland Airport vorbei. In einer Bagerie versorgten wir uns mit leckeren Stückchen. Die Bagerie backt auch für Cafes in der Umgebung, z.B. für das Cafè Oscar im 50 Kilometer entfernten Kiruna. Wir hatten jeden Tag, nach der Mittagszeit Stückchen, manchmal auch Plätzchen, die wir während einer Rast zu uns nahmen. Nach der Weiterfahrt schlief Inge dann regelmäßig ein. Ich hatte ja die Frau Ichquasselgern, die mich weiter unterhielt.

 

Wir passierten wieder zwei elendlange Baustellen mit dem üblichen Lotsendienst. Die alte Straße wird hier einfach ca. 15 cm tief abgefräst, dann kommt eine Schicht Steine drauf, die wird verdichtet, danach wird geteert. So erhöht sich die Straße von Jahr zu Jahr um einige Zentimeter. Die Straßen sind hier eh etwas erhöht, da links und rechts davon Sumpfgebiet ist, wenn zufälligerweise kein Krüppelwald da steht. Ja die Tannen sind hier nur noch mannshoch und einige viele davon schwarz. Wahrscheinlich im Frühjahr nach einem Kälteeinbruch erfroren. Kann es noch kälter werden?

 

Kiruna am Rande von Russland. Ja so scheint es wenn man nach Kiruna reinfährt. Am Horizont riesige Halden. Darunter riesige Eisenbahnanlagen. Unser Reiseführer aus 2012 sagt: "Die Bewohner von Kiruna machen ihrem Spitznamen ("die kein-Problem Leute") alle Ehre, da sie von der Nachricht unberührt scheinen, dass ihre Stadt kurz davor steht, in einer riesigen Bergwerksgrube zu versinken. Es ist geplant, die Bahnstrecke, die Fernstraße E10 und rund 450 Eigenheime bis 2013 ein paar Meter weiter nach Nordwesten zu versetzen. Der restliche Stadtkern soll dann sukzessive folgen."

 

In Kiruna z.B. geht die Sonne vom 28. Mai bis zum 12. Juli nicht mehr unter. So wird sie hoffentlich auch heute Nacht scheinen und unser Auto heizen. Draußen sind es 7,5 Grad und es ist leicht windig. Wäre der Wind nicht, dann könnte man draußen im T-Shirt in der Sonne sitzen, so warm sind die 7,5 Grad.

 

Hätte mir früher mal jemand gesagt, wir fahren jetzt Anfang März bei 7,5 Grad an den Bodensee zum Campen, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Aber so ist es. Jetzt stehen wir hier oben und finden es ganz herrlich.

 

Heute stehen wir auf dem Ripan Camp im Nordwesten von Kiruna, brauchen uns also keine Gedanken zu machen, dass wir morgen umgezogen werden.

 

Soein Campingvolk ist ein komischen Volk. Nebenan sind Franzosen gekommen, Ein Ehepaar, ebenfalls in einem Mercedes Campingbus, nur etwas ältere Bauart, der Bus natürlich. Da wird nicht gekocht, da wird das Dach nicht hochgestellt, man schläft unten und da wird nicht gelüftet. Die Klamotten werden auf Kleiderbügel am Haltegriff auf der Fahrerseite gehängt, die Fenster bleiben zu. Nur 1 x ging die Tür auf, da konnte man hineinsehen. Welch ein Chaos. Jetzt kommt der Mann aus dem Auto und pinkelt in die Hecke.

 

Schräg gegenüber steht ein Wohnmobil aus Norwegen. Die Leute sieht man nicht. Manchmal geht die Tür auf und ein Spitz an einer langen Wäscheleine kommt heraus um frische Luft zu schnappen und sein Geschäft zu machen. Nach ner Stunde geht die Tür wieder auf und der Spitz springt rein.

 

Weiter hinten steht ein Wohnmobil aus Holland, da sind zwei ältere Damen drin. Vermutlich sind sie verheiratet. Sie, die Frau, ist etwas Dicker und sie, der 'Mann' ist schlank und hat die Hosen an. Sie, der Mann, sagt ihr, der Frau was sie zu tun hat. Sie, der Mann kommt alle halbe Stunde raus und kauert sich neben die Eingangstür mit ner Zigarette im Mund. Vielleicht mag sie, die Frau keinen Gestank im Mobil.

 

So langsam gehen bei den Anderen die Jalousien zu, sie gehen schlafen. Auch ich geh nochmal schnell mit Dodo und Claire raus, denn morgen früh um 4 ist die Nacht wieder zu Ende.

 

Es ist jetzt 22 Uhr. Der Bericht ist fertig und der Campingplatz hat sich endgültig gefüllt. Es sind jetzt in der letzten Stunde mindestens 20 Wohnmobile und Wohnwagen gekommen. Weiter unten in einer Senke steht ein älteres Ehepaar aus Berlin und übernachtet in ihrem Zelt. Ob die morgen früh erfroren sind?

 

Zum Nordkap sind es jetzt noch 3 - 4 Tage.


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