Schweden - Norwegen 2014 mit Dodo und Claire

 

Tag 21 - 22.06.2014 - Stabbursnes - Nordkap

 

Für alle die uns über Facebook aufgrund des kalten Wetters bedauert haben. Wir sind ja nicht doof. Wir haben lange Unterhosen dabei. Wir fahren in langen Unterhosen, wir schlafen in langen Unterhosen und wir essen in langen Unterhosen...und wir ??? Wir haben auch warme Hosen und Jacken dabei. Nur eine Mütze für Inge fehlte, die haben wir dann im Icehotel nachgekauft.

 

 

Gestern Abend hatten wir, nachdem wir unser Elch-Steak gegessen hatten, ca. 2 Km von hier auf einem freien Platz Dodo und Claire nochmals rennen lassen. Und wir fanden Schnee am Feldrand, wie Ihr auf dem oberen Bild seht.

 

Ach ja das Elch-Steak. Es gab Elch-Steak auf Kartoffelmus an frischem Gartengemüse. Das Elch-Steak war hervorragend Geschmeckt hat es wie Rinder-Steak, schön saftig.

 

Heute ist Sonntag. Es schüttet. Heute ist Nordkap Tag. Egal wie, jetzt fahren wir hin. Gestern nochmal in die Webcam geschaut. Man konnte Menschen laufen sehen, sonst aber auch nichts. Für jeden Nordkap Fahrer ist es wichtig, dass er auf dem Plateau die Sonne um 24 Uhr sieht. Die geht hier nie unter. Vor 18 Jahren sind wir auch bei schlechtem Wetter angekommen. Um 23:30 Uhr gingen dann die Wolken weg und die Sonne war da. Mal sehen wie es heute oder morgen sein wird.

 

Das Auto wird vorgeheizt. Inge ist zum Duschen. Danach werden die Hunde gefüttert und ins Auto gepackt, damit wir in Ruhe frühstücken können. Dann geht's ab, die letzte Strecke nach Norden.

 

Das Nordkap.
Es liegt auf einer nördlichen Breite von 71o 10' 21'' und damit näher am Nordpol als an Oslo. Kein Wunder dass es hier so kalt ist. Von Mitte Mai bis Ende Juli geht hier die Sonne niemals unter...wenn sie denn mal zu sehen ist. Das Nordkap ist eigentlich nicht der nördlichste Punkt Europas, diese Ehre gebührt eher Knivskjelodden. Dies ist aber nicht mit dem Auto erreichbar und auch nicht erschlossen. Lange bevor die Europäer sich für das Nordkap interessierten, schrieben die Samen diesem Ort besondere Kräfte zu und erkoren ihn zur Opferstätte.

 

Ja, das Nordkap ist eine Opferstätte, und zwar eine Opferstätte für den Geldbeutel Für 245 Kronen pro Person hat man für 48 Stunden unbegrenzten Zutritt auf das Plateau, in die Ausstellung, in den riesigen Bunker, in die Grotten Bar mit dem riesengroßen Fenster im Felsen. Ein kleines Thai-Museum, die St. Johannes Kapelle, das Postamt und dem diesem Ort entsprechenden riesigen Souvenirladen. In einem 120-Grad-Saal mit fünf Leinwänden läuft ein sehenswerter (wirklich!!!) 17 minütiger Panoramafilm.

 

Ein Bild von der Homepage "Rautenberg Reisen".
Unterhalb die Grotten Bar mit dem großen Fenster im Felsen.

 

Noch ein Wort zum Campingplatz von heute früh, dem Stabbursness Campingplatz. Wenn in der ADAC Skala Minus Punkte zu vergeben wären, dann würde ich glatt eine 6 Minus geben. Die Hütten sind zwar originell, das Sanitärgebäude aber zu klein. Die Toiletten und die Duschen sind zusammen. Es gibt 2 Toiletten - darin kann man sich nicht mal drehen - 2 Urinale, direkt gegenüber 2 Waschbecken. Durch eine Tür kommt man zu den drei Duschen. Ein Vorhang fehlte. Keine Möglichkeit irgendetwas abzulegen. Alles dreckig. Das einzigste was sauber war, war die Toilettenschüssel. Im Vorraum stank es wie im Affenzoo. Die Küche, in der hätten wir nicht kochen mögen. Der Typ auf dem Campingplatz hat schmierige Haare. Gestern hatten wir gesehen, wie er in der Küche das Essen für zwei Österreicher zubereitete. Da wird einem schlecht. Hinter dem Platz am Fluss lag Müll von den Anglern rum. Inge hat dort Elchknüddel gefunden. Sieht so aus als ob des Nachts der Elch herkommt und den Müll der Angler frisst. Dabei ist es nicht unbedingt der Campingplatzbesitzer, nein es sind die Besucher, die den Dreck hinterlassen, der Besitzer hat halt die Voraussetzungen nicht erfüllt, dies einzudämmen. So hätte z.B. ein Vordach am Sanitärgebäude genügt, dass die Matten die davor liegen, nicht triefend nass werden und keinen Schmutz mehr aufnehmen. Oder eine Bank in der Dusche zum Sachen ablegen wäre auch schön gewesen, sowie eine regelmäßige Reinigung. Die vermisse ich hier ganz besonders. Das war der schlechteste Campingplatz, den wir seither besucht hatten und das für 500 Kronen die Nacht, also rund 62,50 Euro. Was will man aber machen wenn weit und breit nichts anderes ist.

 

Rund eine Stunde früher als sonst ging es los. Wir fuhren die ganze Zeit am Porsangerfjorden entlang, der auf Meereshöhe liegt. Schafe standen an den Bushaltestellen und wollten mitgenommen werden. Es regnete, was sonst. Schneereste begleiteten uns auf dem Weg. Rentiere rannten über die Straße. Unterwegs eine Kapelle. Hinter Leaibevuonta am Olderfjorden ging es dann auf der E69 weiter zum Nordkap. Von hier aus sollten es noch elendig lange 116 km sein. Am Wegesrand sahen wir die ersten Gestelle für Trockenfisch. Die E69 quälte sich am Felsen entlang. Laufend kamen uns Busse entgegen, so ca.50 Stück haben wir gezählt. Wir ahnten Schlimmes.

 

Die E69 ist hier mit Tunneln belegt. Der Erste war der Skarvbertunnelen mit 2.980 m Länge. Alles düster da drin obwohl er beleuchtet war. Rechts ging es zum Meer hinunter. Die Tunnel in dieser Gegend kann man im Winter schließen, sodass kein Schnee hineinkommt. Im Winter wird auch die Straße gesperrt. Ein neuer Tunnel war gerade im Bau. Unterwegs überholten wir eine Radfahrerin, ja eine Frau, die sich allein und mühsam den Weg erkämpfte. Noch mehrere Radfahrer haben wir überholt, einige kamen uns bereits entgegen. Die Krüppel Birken verschwanden. Es gab nur noch Moose und Flechten und ganz niedrige Beerensträucher.

 

Und dann kam er, der Nordkaptunnel unter dem Mageroysundet hindurch. 6.870 m lang, 9 % Gefälle und 212 m unter dem Meeresspiegel. Auf der anderen Seite die Nordkap Insel Mageroya. Hier lag ein Tanker vor Anker (reimt sich). Noch ein klitzekleiner Tunnel von mal gerade ca. 400 m Länge.

 

Aus dem Tunnel raus, da lagen sie, Kreuzfahrtschiffe. Vier Stück lagen im Hafen von Honningsväg, eins davon die "Nordnorge", ein Schiff der Hurtigrouten. Nur noch der Honningsvägtunnel von 4.440 m Länge und wir waren in Honningsväg, der größten Stadt auf Mageroya. In Honningsväg befindet sich auch das Reisebüro. "Adventures at 71 Grad North." Wir beschlossen jedoch unsere Adventures bei Shell und bei Rema 1000 fortzusetzen. Bei Shell stand ein deutsches Wohnmobil mit DD Kennzeichen. Der hatte noch die Schneeketten aufgezogen, hatte wohl nichts genützt, denn die linke Vorderfront war zerdellt, wahrscheinlich auch die Achse kaputt.

 

Die Stadt wimmelte nur so von Touristen, alle von den Schiffen. Andere wiederum wurden mit unzähligen Bussen zum Nordkap gekarrt. Wir fuhren weiter die letzten 30 Km zum Nordkap. Links und rechts der Straße noch Schneereste.  Nach rund 18 Kilometern sicherten wir uns erst einmal eine Unterkunft auf einem Campingplatz. Doch dazu morgen mehr.

 

Dann ging es weiter den restlichen Weg zum Nordkap. Die Straße stieg kurvenreich an als wären wir in den Alpen auf 3.000 Meter Höhe. Unterwegs stand unser Läppilappi, den wir vor 18 Jahren schon kennengelernt hatten. Seine Frau verkauft sogenannte Andenken und er lässt sich mit einem Rentier an der Hand gegen Geld fotografieren. Jeder Bus der hier zum Nordkap fuhr hielt an. Vielleicht hat er mit den Busunternehmen Verträge.

 

Wir erreichten die Mautstelle und bestellten ein 48 Stunden Ticket für 490 Kronen, rund 60 Euro. Da können wir innerhalb der 48 Stunden sooft hinein wie wir wollen. Um 14:04 Uhr erreichten wir das Plateau. Der Tacho zeigte 42.147 km an. Das sind seit Beginn unserer reise 5.058 Kilometer, die wir in den 21 Tagen zurück gelegt hatten. Der Routenplaner sagte 4.375 Km bis hierher. Also sind wir rund 683 Km in Städten zum Sightseeing herumgekurvt, auf Landstraße zum Gassi gehen mit Dodo und Claire und die Frau Ichquasselgern hat bestimmt auch einiges für die zusätzlichen Kilometer beigetragen.Das Nordkap hätten wir statt der 5.058 Kilometer schneller haben können. Über die Vogelfluglinie und an Schwedens Küste entlang wären es nur 3.246 Kilometer gewesen. Über Dänemark mit dem Schiff nach Norwegen und die E6 hinauf nur 3.526 km und mit Flug in 8 Stunden und 50 Minuten. So haben wir halt für rund 1.800 Kilometer uns Schweden ausgiebig angesehen. Das hat sich gelohnt!

 

Das Nordkap lag im Nebel, was sonst. Und da waren sie wieder, die Busse mit den Touristen von den Schiffen, die Autos und die Motorräder. Im Gebäude ging es zu wie auf einem türkischen Bazar, oder besser gesagt, wie in der Drosselgass in Rüdesheim. Das brauche ich nicht mehr. Man muss es aber trotzdem mal gesehen haben. Im Gebäude habe ich noch ein paar Bilder gemacht. Das Gebäude wurde seit 1996 immens vergrößert. In die Grotten Bar gehen wir heute Abend hinein. Wir hoffen dann auf Sonne.

 

Von heute Abend und dem Campingplatz berichten wir morgen. Nur soviel. Wir haben die einzigste Hütte in ganz Norwegen gemietet, wo die Betten nebeneinander stehen und nicht übereinander. Wir werden also wieder einmal nebeneinander schlafen können. Ein Schelm wer Böses dabei denkt!


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