Schweden - Norwegen 2014 mit Dodo und Claire

 

Tag 38 - 09.07.2014 - Saltstraumen - Haugland

 

Heute ist der Bericht etwas spät. Die Fahrt dauerte auch sehr lange, bis jetzt mit 5 Stunden und 18 Minuten die längste Fahrtzeit für nur 203 Km.

 

Gestern Abend um 20:45 Uhr haben wir uns noch den Gezeitenstrom am Saltstraumen angeschaut. In der 3 km langen und 150 m breiten Meerenge Saltstraumen führt der Wechsel der Gezeiten dazu, dass ein Fjord sich in den anderen ergießt. Dabei entsteht das, was man einen Wasserfall auf dem Meer nennen könnte, ein brodelndes Chaos was mehr als 400 Mio. m3 Wasser mit 20 Knoten erst in die eine, dann in die andere Richtung bewegt, und das alle 6 Stunden. Es heißt, der Saltstraumen soll der größte Strudel der Welt sein. Tatsächlich besteht er aber aus einer ganzen Reihe kleinerer Strudel, die entstehen, aufwallen, ineinander fließen und schließlich verschwinden. O-Ton Reiseführer.

 

Über den Saltstraumen führt eine Brücke auf der wir heute früh um 09:10 Uhr auf der RV17 weiter nach Süden gefahren sind. Der Strudel sollte um 9 Uhr wieder am stärksten sein. Jetzt haben wir ihn mal von ganz oben gesehen.

 

Die Fahrt auf der RV17 hat uns außerordentlich gefallen. Während der ganzen Zeit kamen uns nur ca. zehn Autos entgegen. Wir konnten mit rund 60 km/h so richtig dahin gleiten und haben die Strecke entlang der Fjorde so richtig genossen. Der Sortfjorden gab den Blick auf das Meer frei. In der Ferne fuhr ein weiteres Hurtigruten-Schiff nach Norden.

 

Von einzelnen Stellen der Strecke hat man einen außerordentlich guten Ausblick auf die Ausläufer des Svartisen. O-Ton Reiseführer: Die beiden Eiskappen des Svartisen-Gletschers, getrennt durch das Tal Vesterdalen liegen direkt auf dem Polarkreis zwischen Mo i Rana und Halbinsel Meloy. An seiner dicksten Stelle ist das Eis etwas 600 m dick (gemessen vor ca. 2 Jahren). Der Gletscher liegt auf durchschnittlich 1.500 m Höhe, doch einige Gletscherzungen reichen bis zur Talsohle und sind damit die am tiefsten gelegenen des europäischen Festlandes.

 

Wir sind an der spektakulären Westseite des Svartisen entlang. Die Gletscherzungen wollten offensichtlich unser Auto ablecken, so nahe waren sie. Unter dem Gletscher führt ein 7.600 m langer Tunnel, den wir ebenfalls durchfahren haben.

 

Kurz danach die erste Fähre. Wir kamen an und die Klappe ging hoch, die von der Fähre natürlich, meine dafür ging runter. Es war ca. 12:30 Uhr und eigentlich zu früh den Campingplatz neben dem Fährhafen aufzusuchen. Hätten wir das mal getan. Egal, für die rund 10 Minuten Fährzeit von Foroya nach Ägskardet standen wir 30 Minuten in praller Sonne. Wir standen in Reihe 2. Da nicht alle Wohnmobile auf die Fähre passten, es wurden noch zwei LKW mitgenommen, mussten wir auf die nächste Fähre warten.

 

Hier das gleiche Spiel. Zwischenzeitlich wurden wir in die Reihe 1 umgesetzt. Die nächste Fähre kam und wir durften rein. Zuerst ein Tankwagen mit Gefahrgut. Die restlichen Autos durften sich nur hinter den Tankwagen stellen, sodass man den sofort ins Meer kippen konnte, falls was passieren sollte. Ich sah schon wie der junge Mann, der vorher das Geld kassierte, die Autos abzählte, die in die Fähre fuhren. Nach uns noch zwei Wohnmobile, dann war Schluss. Die Fähre fuhr los, obwohl hinter uns noch jede Menge Platz war. Wahrscheinlich wegen des Gewichtes des Tanklastzuges wurden nicht mehr Autos geladen.

 

Was macht man auf einer Fähre auf der hinter dem Auto noch Platz ist. Man macht die Heckklappe auf damit die Hunde Luft bekommen und fotografiert die Wäsche auf der Leine, die wir im Auto zum trocknen spazieren fahren.

 

Vorab, bei der zweiten Fähre das Gleiche. Hier ein Müllauto und ein Reisebus, sodass rund 30 Prozent des Platzes frei blieben. Danach wusste ich Bescheid. Obwohl ich mit bei den Ersten war, die auf die Fähre gefahren sind, war ich der Letzte, der rauskam. Die nächste Fähre war 25 Km entfernt und die sollte für die Überfahrt 1 Stunde benötigen. Vor mir ein VW Bus aus Böblingen mit einem kleinen Wohnanhänger. Erst dachte ich, den schnappst Du Dir gleich. Dachte ich auch nur, der gab Vollgas. Aus seinem Auspuff kam Ruß wie aus einem Panzer, der Wohnanhänger hüpfte nur so auf der welligen Straße hin und her. Für mich keine Chance den zu überholen. Wir hatten sowieso laufend die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten.

 

Wir kamen an der nächsten Fähre an. Die fuhr von Jektvika bis nach Kilboghamn mit einem Abstecher nach Oldervika. Die Fähre wurde gerade beladen und fuhr quasi vor unserer Nase weg. Ich frage noch das junge Mädchen, wann denn die nächste Fähre kommen sollte. Die Antwort war: "fifteen twenty", also in einer Stunde um 15:20 Uhr. Der Warteplatz füllte sich. Ich ging zum Joker nebenan um kaltes Cola und zwei Stückchen zu holen. Wir packten dann die Sitzmöbel aus und setzten uns in den Schatten. Die Hunde schwitzten. Es war 15:20 Uhr, keine Fähre in Sicht. Wären wir doch auf dem ersten Campingplatz geblieben. Es war 15:45 Uhr, keine Fähre in Sicht. Erst um 15:55 Uhr kam sie um die Ecke. Mittlerweile waren die Hunde klatschnass von den nassen Handtücher, die Inge über sie legte. Wir fuhren rein, schräg vor uns das Müllauto. Muss wohl voll beladen gewesen sein, so hat es gestunken. Egal, da mussten alle durch. Diese Fähre war größer als die vorherige und daher geschlossen. Wir mussten also aus dem Laderaum raus. Die Hunde blieben im Auto allein zurück. Das hatte ich vorher auf 23 Grad herunterkühlen können, wenigstens etwas.

 

Wir sind dann hochgegangen. Um 16 Uhr fuhr die Fähre ab. Ich ahnte Schlimmes. Wann kommt der nächste Campingplatz? Oben in der Fähre war Gott sei Dank eine Kantine. Wir bestellten uns kurzerhand 2 x Hamburger mit Pommes und Salat plus Cola und Tonic Water, macht zusammen 294 Kronen, das sind rund 28 Euro. Was soll's, damit der Frieden gewahrt bleibt muss man manchmal etwas investieren. Wer weiß wann wir heute unser Nachtlager aufschlagen

 

Wir waren mit dem Essen gerade fertig, da hörten wir eine Durchsage. Wir verstanden nur noch Polar... Wir sind dann raus aufs Heck der Fähre und da sahen wir sie, die Weltkugel die an Land die imaginäre Linie des Polarkreis markierte. Wir haben also gerade den Polarkreis überschritten. Diesmal nicht wie vor 18 Jahren auf dem Saltfjellet an der E6 wo die Touristenfalle "Polarsirkelsenteret" steht, die von jedem Bus und von jedem Touristen der hier vorbeikommt angefahren wird, sondern auf dem Wasser.

 

Der Polarkreis verläuft auf 66°33`51` nördlicher Breite. Er markiert den südlichsten Punkt, an dem zur Sonnenwende am 21. Juni die Sonne 24 Stunden scheint und am 21. Dezember nicht aufgeht. Wir befinden uns jetzt also wieder südlich des Polarkreises und haben somit etwas Dunkelheit in der Nacht.

 

Wir sind dann wieder als Letzter aus der Fähre raus und gleich rechts abgebogen zum Polar Campingplatz. Der passte uns nicht, da er voll in der Sonne lag. Also weiter. Wo ist der nächste Campingplatz? Die nächsten drei Campingplätze die in der Karte eingezeichnet waren, existierten alle nicht, sodass wir unser Tagespensum an Kilometern heute überschreiten mussten.

 

Jetzt stehen wir auf dem Aldersund Motel & Camping in Haugland am Aldersund ca. 80 Km nordwestlich von Mo i Rana. Eigentlich wolltren wir heute nicht so weit fahren.


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