Schweden - Norwegen 2014 mit Dodo und Claire

 

Tag 39 - 10.07.2014 - Haugland - Mo i Rana - Mosjoen - Grane

 

28 Grad um 7:30 Uhr. Da wo gestern Abend noch Schatten war ist jetzt Sonne. Jetzt waren wir 23 Tage nördlich des Polarkreises, 23 Tage helle Nächte, rund die Hälfte davon Kälte, mal bei 3 Grad, oder bei 6,5 Grad, aber nie zweistellig. Es hatte geregnet, gestürmt und geschneit. Wir hatten die langen Unterhosen nur zum Duschen und zum Waschen ausgezogen. Erst ab Narvik wurde es wärmer. Und jetzt? Jetzt halten wir es vor Hitze nicht aus und Claire hatte sich gestern demonstrativ noch unters Auto gelegt.

 

Gestern Abend hatten wir noch beschlossen, dass wir auf der RV17, dem Kystricksveien nicht mehr weiter fahren. Wir hätten sonst noch 5 Fähren, jede zwischen 20 bis 60 Minuten Fahrtzeit nehmen müssen und keiner weiß wie lange wir dann wieder in der prallen Sonne an den Fähranlegerplätzen hätten stehen und warten müssen. Wir fahren heute also nach Mo i Rana, frischen unsere Vorräte auf, und dann auf die E6 weiter nach Süden.

 

Genau 6,9 Km hinter dem Campingplatz befand sich ein riesengroßer Steinhügel mit hervorragendem Blick auf das Meer und drei Fjorde. Das Gronsvik Fort, die Norweger nennen es Museum. Ein gigantischer Ort der Erinnerung an unsere Vergangenheit. Das Küstenfort Gronsvik wurde im zweiten Weltkrieg von den deutschen Truppen gebaut, nein es wurde von Zwangsarbeitern gebaut und von den deutschen Truppen genutzt. Es handelte sich um eine von 10 Küstenbatterien der Gruppe Sandnessjöen und um eine von über 350 die die Nazis in Norwegen gebaut hatten. Das Fort war Teil des Atlantik Walls. Die Hauptaufgabe der Gruppe Sandnessjöen war der Schutz der Fjorde Sonja, Ranfjord und Vestfjorden. Und das Kuriose daran ist. Nach der Zerstörung in 1945 haben die Norweger Teile davon wieder aufgebaut um es als Museum zu vermarkten.  Sie brauchen halt Museen, egal welcher Art. Es soll sogar Führungen geben. Dem Fort habe ich den größten Teil der heutigen Bildersammlung gewidmet.

 

Die Fahrt nach Mo i Rana war schön, es ging die ganze Zeit am Sorfjorden und dann am Ranfjorden entlang. Mo i Rana ist eine reine Industriestadt. Sie ist die drittgrößte Stadt im Norden und das Tor zu Nadelwäldern, Höhlen und Gletschern der Region am Polarkreis. Mo, wie es kurz genannt wird, ist in der Vergangenheit rapide gewachsen. Sehenswürdigkeiten gibt es nur die üblichen, außer dass Mo der Ausgangspunkt für eine Begehung auf den Svartisen Gletscher ist. Diese Begehung wollten wir vor 18 Jahren schon machen, damals hatten wir keine Hunde dabei und es war nicht so eine große Hitze. Damals war es für uns beeindruckend von Süden auf der E6 her zu kommen und den Gletscher oberhalb von Mo zu sehen. Wir sind dann zu dem See gelaufen, von wo aus ein Boot zum Fuße des Gletschers fährt und wie üblich fuhr das Boot vor unseren Nasen weg.

 

Heute haben wir Hunde dabei, es ist heiß und zwischenzeitlich kennen wir den größten Inlandseisgletscher Europas, den Jostedalsbreen. Zum Jostedalsbreen kommt man fast mit dem Auto hin, sodass der Svartisen für uns keine Besonderheit mehr ist. Wir sind also nur wieder mal Tanken und Einkaufen gefahren. Einer von uns blieb am Auto, damit die Hunde Luft bekamen. Interessant dabei die Beobachtung, dass viele Leute in den Rema 1000 stürmten und nach kurzer Zeit mit eins oder zwei Paketen herauskamen. Auf den Paketen war das Abbild eines Ventilators zu sehen.

 

Hinter Mo war linkerhand ein schöner Campingplatz. Großer Baumbestand, also schattige Plätze für die Hunde und etwas abseits von der E6. Doch wir hatten erst 100 Km hinter uns und es war erst 13 Uhr. Wir fuhren also weiter.

 

Es ging auf der linken Seite des Ranfjorden entlang, dann hoch auf ein Fjell. Zwischenzeitlich ist auch hier viel an der E6 gebaut worden, sodass wir nach einigen Kilometern durch den 8,6 Kilometer langen Sorfjordentunnelen mussten. Früher schlängelte sich die E6 noch im Tal am Fjord entlang, da wo heute immer noch die Nordbahn fährt.

 

Wir hielten Ausschau nach einem Campingplatz. weit und breit keiner zu sehen. Erst nach einigen Kilometern etwas Abseits der E6 war ein Schild. Die Anlage sah aus wie ein Schullandheim. Hochgefahren, keiner da, alle Stellplätze in praller Sonne, also wieder weg.

 

Wir erreichten Mosjoen. Mosjoen, ausgesprochen Mu-schön, ist ebenfalls eine reine Industriestadt. Sehenswürdigkeiten, die Sjotgata mit ihren mehr als 100 unter Denkmalschutz stehenden Häusern. Aber wir hatten die Hunde dabei und rund ums Auto waren mittlerweile 33 Grad. Innen hatten wir auf 23 herunter gekühlt.Also weiter. Aber wo ist der nächste Campingplatz?

 

Ich ins Industriegebiet von Mosjoen gefahren, zur einzigsten Stelle wo man für 5 Minuten im Schatten stehen konnte. Frau Ichquasselgern gefragt. Sie sagte 568 m links. Wir also hin, wären fast vorbeigefahren, aber nur fast, denn der Platz liegt ebenfalls direkt an der E6 und es sieht von weitem so aus wie ein einziger weißer Plastikklumpen. Der ist also nicht zu übersehen. Er liegt mitten in der Stadt, ist ein NAF Campingplatz und ein Pluscamp Platz. Alles war voll von norwegischen Wohnmobilen, keins unter 10 m Länge. Der einzige Stellplatz mit Strom wo Schatten war, war direkt am Eingang und nur 20 m von der E6 weg. Norwegische Wohnmobile hatte ich die letzten Tage zu genüge gesehen. Also wieder weg und weiter nach Süden im Verkehr mitgeschwommen. Später lasen wir, dieser Platz wird von allen besucht, die zum Norkap fahren. Aber wie soll das gehen, wenn schon alles von norwegischen Wohnmobilen belegt ist?

 

Der nächste Platz nahte, also alle ausgebremst und rechts raus. Da standen ca. 5 Hütten und 5 Dosen für Strom. Kein Schatten weit und breit. also wieder raus und weiter.

 

Nach insgesamt 216 km am heutigen Tag und 3 Stunden und 59 Minuten Fahrt stehen wir jetzt auf dem "Storforsen Camping i Grane Kommune", zwar auch oberhalb der E6 aber mit etwas Schatten in Form von Birken. Den Rest spenden wir den Hunden mit dem Auto und dem Vordach. Die Autos auf der E6 hören wir schon gar nicht mehr. Warum wir um diese Zeit auch noch die Einzigsten auf dem Platz sind weiß ich bestimmt morgen.

 

Morgen geht es weiter nach Süden. Trondheim liegt noch 340 km entfernt und das Wetter soll besser, sprich kälter werden.


< zur vorhergehenden Seite          -          zur Übersichtsseite          -          zur nächsten Seite >

www.boxer-odenwald.de ©